Die Alten – Das Altern

Der alte Bergbauer

Diese Augen des alten Bergbauers, habe ich nie mehr vergessen.

Als ich ein Kind u. mit meinen Eltern bei einer Bergfamilie im Montafon zu Besuch war, saß der Großvater der Familie, genußvoll seine Pfeife rauchend, auf der einfachen Holzbank vor dem Haus.

Er grüßte kurz u. da konnte ich sehen, dass sein Gesicht voll war mit großen tiefen Falten u. seine Haut gegerbt war, von vieler harter Bergarbeit im Freien. 

Doch irgendetwas wirkte überhaupt nicht alt an ihm. 

Er wirkte nicht, wie viele andere alten Menschen. Verlangsamt, geschwächt und gebrechlich. Nicht mehr so richtig da, mehr abwesend zu sein. 

Er strahlte, trotz seines hohen Alters, eine jugendliche Wachheit u. Frische, wie auch eine tiefe Ruhe und Gelassenheit aus. 

Es zog mich zu ihm hin und so fragte ich ihn:

“Darf ich mich neben Sie setzen?”

Er antwortete lächelnd: “Natürlich.”

Ich saß still neben ihm, denn ich getraute mich nicht, seine Ruhe zu stören. 

So folgte ich seinem Blick und betrachtete ebenfalls die vor uns liegende, wunderschöne Landschaft, die damals als Kind für mich nicht jene Bedeutung hatte, wie sie es heute für mich hat. 

Er wusste, wie Kinder ticken und spürte wohl, dass ich gerne etwas sagen würde, mich aber nicht getraute.

So fragte er mich: “Möchtest Du mir etwas erzählen?” 

Ich sofort: “Nein, ich möchte Sie gerne etwas fragen!”

Er lächelte und meinte: “Na, dann frag mich doch.”

“Wo schauen Sie hin und was interessiert Sie so daran?”

Es dauerte ein wenig, dann drehte er sich zu mir hin.

Ich konnte mir nun aus nächster Nähe dieses uralte u. vom Leben gezeichnete Gesicht, mit all diesen großen Falten, genauer betrachten und herausfinden, was mich daran und an diesem alten Mann so faszinierte. 

Es waren seine blauen, leuchtenden u. strahlenden Augen, umgeben von all den Falten. Augen, die irgendwie nicht in dieses alte Gesicht zu passen schienen.

Ich blickte in die Augen eines jungen Menschen, der vor Lebendigkeit, Glück u. Freude nur so strahlte.

Seine Seele schaute mich an.

Dann hörte ich ihn sagen:

“Ich schaue in das Leben. 
Was ist es doch für ein Wunder und wie ist es schön!”

Seit dieser Begegnung weiß ich:

Nicht an und in der Hülle,
in unserem Inneren 
liegt die Fülle. 

Tina Teubner hat dazu dieselbe Botschaft in diesem Facebook-Beitrag, gepaart mit Humor.

Was zählt ist Deine innere Lebendigkeit!

Tina Teubner – Alte sind auch Lebewesen! | #weiterlachen

"Wie kann man nur die Gesichtslähmung den Spuren der Lebendigkeit vorziehen?" Tina Teubner plädiert für mehr Respekt gegenüber älteren Menschen. Können Sie das Älterwerden akzeptieren?

Publiée par Mitternachtsspitzen sur Mardi 31 mars 2020

Artikel: gabriele ammann

Foto: ADOBE Stocks

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